Sicherheit im Smart Home

Südwestfälische Unternehmen profitieren von Digitalisierung

 

Mit hohen Sicherheitsstandards können sich die südwestfälischen Unternehmen der Gebäudetechnik gegenüber den amerikanischen Internetkonzernen durchsetzen. Das betonte Professor Dr. Norbert Pohlmann vom Institut für IT-Sicherheit an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen jetzt bei einer Veranstaltung des Vereins Gebäudetechnik Südwestfalen e.V. in Lüdenscheid.

Der Verein Gebäudetechnik Südwestfalen e.V., der von der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) gegründet wurde und dem Hersteller wie Busch-Jaeger, Jung, Dornbracht und Dorma-Kaba angehören, hatte hochkarätige Experten zum Thema Sicherheit in vernetzten Gebäuden nach Lüdenscheid ins DIAL eingeladen.

„Der Smart-Home Sektor wird in den nächsten fünf Jahren mit einer jährlichen Wachstumsrate von 27 Prozent wachsen“, betonte Prof. Pohlmann. Mit dem Wachstum gehen aber auch verstärkte Risiken einher. „Je mehr sich Technologien durchsetzen, desto eher sind sie auch interessant für Hacker. Das Risiko wird analog zum Wachstum des Marktes größer – die Schäden auch“, ist der IT-Experte überzeugt. Einbrüche mit Unterstützung einer Sprachsteuerung oder durch Hacken der Cloud sind möglich. Als großes Risiko formuliert er das Eindringen in die Privatsphäre. So könnte von Ferne auf Mikrophone oder Kameras zugegriffen werden, auf Terminkalender oder Nutzerprofile. Wir nutzen die Technik nur dann, wenn wir uns mit ihr wohl fühlen“ appellierte Pohlmann an die Hersteller, an der Sicherheit ihrer Systeme nicht zu sparen.

Christoph Clasen, von Haus aus Elektroingenieur und heute beim Landeskriminalamt mit IT-Sicherheit betraut, beruhigte die aufgeschreckten Zuhörer wieder ein wenig: Bisher sei kein einziger Einbruch durch einen Hackerangriff auf ein Smart Home registriert worden und die meisten Einbrecher kämen immer noch mit der Brechstange. „Das geht einfach schneller, als mit dem Laptop vor dem Haus zu lauern“ erzählt er von den Erfahrungen der Polizei. Er sieht im Smart Home aber gute Möglichkeiten zum Einbruchschutz: „Wenn Sensoren registrieren, dass an den Fenstern gehebelt wird und ein Kamerabild dies verifiziert, dann kann die Polizei benachrichtigt werden, bevor der Einbrecher im Haus ist“ beschreibt er die Möglichkeiten von, wie Smart Home Anwendungen.  

Nicht ganz so entspannt sieht das Michael Wiesner, der sich selbst als Navigator für Informationssicherheit im Mittelstand bezeichnet und seit 1994 von Unternehmen dafür bezahlt wird, diese zu hacken und so die eigenen Sicherheitssysteme auf den Prüfstand zu stellen.  Er warnte ausdrücklich vor Schlössern, die über Bluetooth zu öffnen sind – sie seien zwar smart, aber auf keinen Fall sicher. Auch Sprachsteuerungen wie Alexa, Siri und Co bergen möglicherweise hohe Risiken. Sie sind, wie Labortests zeigten, auch per Ultraschall zu steuern, so dass der Bewohner diese „falschen“ Befehle von Unbefugten nicht einmal hören könnte.  
Im anschließenden Live-Hacking zeigte er sehr anschaulich, wie einfach es ist, in unzureichend gesicherte Server einzudringen und machte deutlich, dass man mit wenigen Klicks selbst auf ungesicherte Daten einer Arztpraxis zugreifen kann.

In der abschließende Podiumsdiskussion, der sich neben den Referenten auch Adalbert Neumann von der Busch-Jaeger Elektro GmbH, Sebastian Brose vom Verband der Sachversicherer, die Architektin Silke Mikler-Fahl und Sabine Jungkurth, von der Jungkurth GmbH in Altena, anschlossen, wurde deutlich, dass das Thema Sicherheit neben Komfort und Bedienerfreundlichkeit bei den südwestfälischen Unternehmen hohe Priorität hat.



 

Ideenlabor/Hotelzimmer

 

Im Projekt „Ideenlabor/ Hotelzimmer“ wurde zunächst ein Masterplan für die Gestaltung eines Hotelzimmers der gehobenen Kategorie entwickelt und dann in Originalgröße aufgebaut. Mitgliedsunternehmen haben ihre Produkte und Systeme eingebaut und können jetzt die Vernetzung weiterentwickeln, Schnittstellen  optimieren und Impulse für die Produktentwicklung aufnehmen. Als Ergebnis der Zusammenarbeit werden Zusatznutzen für die Kunden generiert und die Vorteile gemeinsam kommuniziert.