Studenten zeigen visionäre Gebäudetechnik

Preisverleihung des Vereins Gebäudetechnik Südwestfalen e.V. 

Wie möchten Sie in 10 bis 15 Jahren leben? Diese Frage steht im Mittelpunkt des „Living in the Future Award“. Der Verein Gebäudetechnik Südwestfalen e.V. hat  deutschlandweit Studierende aller Fachrichtungen aufgerufen, Visionen zum Leben und Arbeiten in der Zukunft zu entwickeln. Dabei sollten Antworten auf Megatrends wie  Energie- und Ressourceneffizienz, Gesundheit/Wellness, Individualisierung oder digitale Vernetzung gefunden werden. Die besten Wettbewerbsbeiträge wurden am Montag, 24. November 2014, vorgestellt und prämiert. Dazu hatte der Verein Gebäudetechnik Südwestfalen e.V., in dem namhafte Unternehmen der Gebäudetechnik unter Federführung der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) zusammenarbeiten,  in das DIAL (Deutsches Institut für angewandte Lichttechnik) nach Lüdenscheid eingeladen. Vor Ort erhielten die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs Geldpreise und Urkunden, die von den  Jury-Mitglieder Ulrich Pint (Wilhelm Rutenbeck GmbH & Co. KG), Helge Hauert (Ginkgo Architektur) und Prof.  Harald Mundinger (Fachhochschule Südwestfalen) überreicht wurden.

Assistenzsysteme für Gebäude
Der erste, mit 3.000 Euro dotierte Preis geht in diesem Jahr erstmals an Studierende der Fachhochschule Südwestfalen. Sebastian Richter und Melvin Richhardt, Studierende im Verbundstudiengang Maschinenbau in Iserlohn, wurden für ihr Projekt „Butler 4.0“ ausgezeichnet. Dabei geht es um ein Assistenzsystem für Gebäude, das die Bewohner von Routineaufgaben entlastet und proaktiv handelt. Eine intelligente Software verknüpft alle Datenströme aus sozialen Netzwerken, Wearables (z.B. Smart-Watches) und internetfähigen Geräten und ist dem Bewohner immer einen Schritt voraus. Das beginnt bereits mit der optimalen Weckzeit. Hierfür berücksichtigt der „Butler 4.0“ die morgendliche Wegstrecke zum Arbeitsplatz oder zu einem Termin, bezieht die aktuelle Stauprognose ebenso mit ein wie die durchschnittliche Aufstehzeit. Auf diese Weise wird die Schlafdauer optimiert. Der „Butler 4.0“ schaltet, bevor der Bewohner morgens das Bad betritt, die Beleuchtung ein und regelt Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit so, dass sich der Nutzer wohlfühlt. Beim Verlassen des Hauses werden automatisch Fenster und Türen gesichert und die Heizung heruntergefahren. Kommen die Bewohner am Abend wieder nach Hause, hat der „Butler 4.0“ Zugriff auf die GPS-Daten des Autos und ermittelt die Ankunftszeit. Dementsprechend werden die Gebäudefunktionen rechtzeitig eingestellt. Darüber hinaus bietet die intelligente Software eine Verknüpfung von Gebäudetechnik und Gesundheitsüberwachung.  Ziel des „Butler 4.0“ ist ein stressfreieres und gesünderes Leben sowie eine Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs. Die Software sorgt für Zeitersparnisse und ermöglicht ein selbstständiges Wohnen bis ins hohe Alter.     

Atmende Gebäudehülle
Das gesunde Wohnen und die Energieeffizienz stehen auch im Mittelpunkt des zweitplatzierten Projektes. Tobias Becker, Student im Studiengang Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart, erhielt 2.000 Euro für sein Projekt „Breathing Skins“ (Atmende Häute). Während sich klassische Gebäude durch eine schützende Abgrenzung zur Natur auszeichnen, tritt in diesem Projekt eine atmende Fassadenhaut aus Folien und Luftkammern an die Stelle von Mauern. Das System wird pneumatisch gesteuert und kann sich in seinem Erscheinungsbild stufenlos wandeln. Der Nutzer kann den Grad des Luftaustausches über ca. 100 Luftkanäle pro Quadratmeter variieren. Die ursprünglich statische Gebäudehülle wird zu einem anpassungsfähigen Austauschmedium, fähig die Grenze zwischen Innen- und Außenraum klimatisch aufzulösen. Dadurch werden ein gesünderes Raumklima und eine neues Raumerlebnis ermöglicht. Ein erster Prototyp eines solchen Gebäudes soll in Kürze an der Universität Stuttgart aufgebaut werden.   

Vereinbarkeit von Photovoltaik und Denkmalschutz
Den dritten, mit 1.000 Euro dotierten Preis erhielt Anna Schulze-Wiehenbrauk, Studentin der Architektur an der MSA Münster School of Architecture. Sie hat in ihrer Bachelorarbeit ein Konzept entwickelt, um den scheinbaren Widerspruch zwischen Denkmalschutz und der Nutzung von erneuerbaren Energien in Form von Photovoltaik (PV) aufzulösen. Anhand des Beispiels eines denkmalgeschützten Gebäudes im Stadtkern von Soest hat sie gezeigt, wie Photovoltaik genutzt werden kann, ohne dass die Anlage wie ein Fremdkörper den Charakter des Gebäudes verändert. Die ursprüngliche Schiefer-Schindel-Fassade wird dabei durch PV-Schindeln ersetzt, die mittels eines Schienen-Systems am Gebäude angebracht werden. Die Oberfläche der PV-Schindeln wird so bearbeitet, dass sie matt erscheint und ähnlich wie Schiefer aussieht. Damit sind die PV-Elemente nicht als solche erkennbar. Der ursprüngliche Charakter des Gebäudes bleibt erhalten.



 

Ideenlabor/Hotelzimmer

 

Im Projekt „Ideenlabor/ Hotelzimmer“ wurde zunächst ein Masterplan für die Gestaltung eines Hotelzimmers der gehobenen Kategorie entwickelt und dann in Originalgröße aufgebaut. Mitgliedsunternehmen haben ihre Produkte und Systeme eingebaut und können jetzt die Vernetzung weiterentwickeln, Schnittstellen  optimieren und Impulse für die Produktentwicklung aufnehmen. Als Ergebnis der Zusammenarbeit werden Zusatznutzen für die Kunden generiert und die Vorteile gemeinsam kommuniziert.